Blog: Die Corona-Krise - Zurück zum Vermummungsgebot!

atemmaskevon Fred Kowasch

04.04.2020
Es ist Frühling, die Sonne scheint, da zieht es die Menschen nach draußen. In Zeiten von Corona ist dies aber nur bedingt eine gute Idee. Denn noch immer ist unklar, wie sich das Virus genau überträgt, wie lange es sich in der Luft hält. Seit Tagen wird deshalb auch über das Tragen von Gesichtsmasken diskutiert. Vor Wochen war die - öffentlich - verbreitete Lesart, dass es sowieso nichts bringt. Jetzt soll ein Anlegen von engem Tuch zumindest die Verbreitung des Virus vermindern.

Und wärend in vielen Ländern dass Tragen eines Gesichtsschutzes in der Öffentlichkeit längst Pflicht ist - zum Beispiel beim Spaziergehen und Einkaufen im Supermarkt - drücken sich die politisch Verantwortlichen in Deutschland um eine Entscheidung herum. Dieses hat einen realen Kern. Denn Deutschland ist schlicht nicht vorbereitet auf diese Krise. Politiker wie Jens Spahn gefielen sich zunächst selbst sehr in Pressekonferenzen, eine Notwendigkeit rechtzeitig und ausreichend Gesichtsmasken zu bestellen, sahen sie offenbar nicht.

Und so wird der Einkauf im Supermarkt an einem normalen Nachmittag zum Hindernisparcours. Am Eingang warten, dann links herum, durch diese Reihe lieber nicht. Wann kommt der nächste Einkaufswagen, der dann auch vor dem Jogurtregal scheinbar endlos verweilt? Nur wenige Kunden tragen überhaupt Gesichtsmasken, alle Angestellten nicht. Ist es Unwissenheit, Sorglosigkeit, ist es Mangel? Sinn macht das alles jedenfalls nicht. 

Sinn macht es auch nicht, sich in den öffentlichen Nahverkehr zu quetschen, weil jetzt ja eh weniger fährt, man auf einmal einen 'System'beruf hat. Plötzlich klatschen all die, die sonst eher überheblich auf Krankenschwestern, Altenpfleger, Grundschullehrer und die Supermarktkassierein herabblicken. Stattet sie sicher aus, bezahlt sie angemessen, zieht ihnen nicht fast 50 Prozent von ihrem kärglichen Lohn ab! Denn irgendwann werden sie kommen: die bohrenden Fragen. Wer hat zu welcher Zeit was verbockt?!

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Unterwegs gestrandet - Rückflug für 119,99 Euro

03.04.2020 (update, 16:00)
Kambodscha ist 'erledigt'. "Zusätzliche Flüge zu einem späteren Zeitpunkt sind nicht vorgesehen." Dass lässt die deutsche Botschaft in Phnom Peng wissen. In Vietiane (Laos) gings gestern los, ein zweiter Flug ist in Planung. Und für heute Abend ist von Colombo (Sri Lanka) ein Direktflug mit Condor nach Frankfurt/Main geplant. Kostenpunkt: 119,99 Euro. Billiger gehts kaum noch. Von Christchurch auf Neuseeland sollen am Sonntag Abend zwei Lufthansa-Rückflüge nach Frankfurt/Main gehen. Mit Zwischenstop in Bangkok. Und: natürlich gibs immer auch Leute, die noch meckern. Nach Hilfe rufen. Die irgendwo auf Fidschi im Hotel festsitzen, mit ihren kleinen Kindern aus Asien nicht weiterkommen, in der Türkei gestrandet sind. 

Reisen im Zeitalter der Coronakrise ist so gut wie unmöglich geworden. Jeder versucht nur noch so schnell wie möglich zurückzukommen. Koste es, was es wolle. Fast täglich ändern sich die jeweiligen Aufenthaltsbestimmungen, werden Flüge gecancelt, Ausgangssperren verhängt. Mehrere Zehntausend sitzen noch im Ausland fest, davon allein 12.000 in Neuseeland. Mehr als 180.000 Deutsche wurde in einer Art Rückholaktion im Auftrag des Auswärtigen Amtes (AA) - die aktuell 51 Länder umfasst - zum Teil mit Charterfliegern zurückgeholt. Außerdem hat das AA eine weltweite Reisewarnung bis Ende April ausgesprochen. Allerdings häufen sich Berichte, dass viele der Rückkehrer ohne einen Gesundheitscheck einreisen können8a3592a1 5675 4bca bb01 4065b9ed3b90

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#InsideHogeSa2: Durchsuchungen des Staatsschutzes im Raum Düsseldorf

02.04.2020
Wie aus einer gemeinsamen Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und der Polizei Düsseldorf hervorgeht, hat es am Mittwoch (01.04.2020) Hausdurchsuchungen bei drei Männern in Düsseldorf, Neuss und Herne gegeben. Die Durchsuchungen wurden vom Düsseldorfer Staatsschutz durchgeführt. Laut Informationen des WDR - der nach eigenen Angaben am Rande einer Durchsuchung vor Ort war - soll es sich dabei um Mitglieder der 'Bruderschaft Düsseldorf' handeln. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, ist die Bruderschaft bundesweist organisiert. Sie ist Teil des HogeSa-Netzwerkes, was im letzten halben Jahr eine gewisse Renaissance erfuhr. Die 'Bruderschaft Düsseldorf' sieht sich selbt als eine Art von 'Bürgerwehr'. Verbindungen gibt es zu ähnlichen Gruppen in Essen, Köln und Herne sowie zum Verein 'Mönchengladbach steht auf'.
ddorf 17112018Bekanntlich arbeitet interpool.tv an Teil 2 der Dokumentation 'Inside HogeSa'. Einen Teil davon wird auch die Berichterstattung zum 17. November 2018 einnehmen. Als sich am Düsseldorfer Landtag Hooligans aus M'Gladbach, Köln, Duisburg und Düsseldorf mit anderen trafen, um gegen den EU-Flüchtlingspakt zu demonstrieren. Es am Rande zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten kam. Im Bild (aus dem Schnittraum): die vorläufige Festnahme eines Mitgliedes der 'Bruderschaft Düsseldorf'.

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Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament (92 min, 2018)

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Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans, 'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann. 

Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 3,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 8,99 Euro (all). Wer den Film kauft, bekommt die Interviews mit Tatjana Festerling und 'Captain Flubber' in voller Länge zu sehen.

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Der Terroristenjäger: Deckname Murat Cem (Spiegel.TV, 2020, 30 min)

Fast 20 Jahre UNDERCOVER. In NRW war Murat Cem als V-Mann der Polizei auf Mörder, Drogendealer und Salafisten angesetzt. Er stand auch mit Anis Amri in Kontakt. Amri war es, der am 19. Dezember 2016 einen LKW in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz steuerte. Elf Menschen starben, 55 wurden zum Teil schwer verletzt. Cem hatte vor Amri gewarnt. Doch seine Warnungen kamen nicht an. Jetzt packt er aus. SPIEGEL.TV ist ein Coup gelungen. Ein richtiges gutes Stück Journalismus. 30 Minuten sehenswerte Zeitgeschichte.

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

Der Umgang mit Whistleblowern - er glich jahrelang einem Drahtseilakt. Im März hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, die Hinweisgebern Rechtssicherheit vermitteln soll. Ehe dies jedoch in nationales Gesetz umgesetzt wird, können noch Jahre vergehen. Mitte Oktober nun befasste sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Thema. Mehr Details auch unter sportspool.tv


"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower im Februar 2009 nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht. (Text März 2019)

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Musikdoku: 'Heldenstadt Anders' - Der Festivalfilm (137 min, interpool.tv, 2020)

Drei Tage AUSVERKAUFT. Unzählige Biers, Umarmungen. Tränen der Freude, Pogo, gute Laune. Dazu Bands, die mehr als drei Jahrzehnte nicht mehr zusammen auf der Bühne gestanden haben. Punk, NDW, Noice, Heavy Metal .... Dass Leipziger 'Heldenstadt Anders Festival' im Leipziger UT Connewitz war ein voller Erfolg! Die - mehr als zweistündige - Doku zeigt Ausschnitte aller Auftritte. Sie blickt aber auch hinter die Kulissen dieses einmaligen Ereignisses aus dem September 2019. 

Line Up (Tag 1): HerT.Z., Kulturwille, Mad Affaire, Die Zucht
Line Up (Tag 2): The Huck, 0815, Dilletannten feat. Karl Heinz, Gelee Royal, Der Schwarze Kanal, Pfft...Projekt KNPL
Line Up (Tag 3): Schmerzgrenze, The Real Deal, Trübkraft Umsonst, Unklar, Zorn, Neu Rot, Confused Trail 

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